Die Wilde Schafsjagd von Haruki Murakami
Ich setzte mich noch einmal aufs Sofa und suchte die Bruchstücke meines Lebens zusammen. Glanzstücke waren es nicht, aber immerhin kam mein Leben dabei heraus. Nach und nach fand ich wieder zu mir selbst. Jemandem zu erklären, daß ich ich selbst bin, ist nicht einfach. Aber vermutlich will das gar niemand wissen. [...]
Die Zeit verging. Die Partikel der Dunkelheit malten mir wundersame Bilder auf die Netzhaut. Nach einer Weile fielen sie lautlos in sich zusammen und neue entstanden. Der Raum ruhte wie Quecksilber; nur die Dunkelheit bewegte sich.
***
“Ich hab dich gesucht”.
“Weiß ich. Hab dich suchen sehen”.
“Warum hast du mich denn nicht gerufen?”
“Dachte, du willst mich allein finden, deshalb.”
***
Was geschehen ist, ist ohne Zweifel schon geschehen, was noch nicht geschehen ist, ist ohne Zweifel noch nicht geschehen. Wir leben, mit anderen Worten, im Augenblick, mit dem “Alles” im Rücken und vor uns dem “Nichts”, ohne Zufälle, ohne Möglichkeiten.
***
"Hast du schon mal den Wunsch gehabt, mich umzubringen?" fragte sie.
"Dich?"
"Ja."
"Wieso fragst du das?"
"Nur so."
"Nein, hab ich nicht", sagte ich.
"Wirklich nicht?"
"Wirklich nicht. Warum sollte ich dich unbedingt umbringen wollen?"
"Auch wieder wahr", mußte sie zugeben. "Ich dachte nur, wäre nicht schlecht, wenn mich jemand umbrächte. Wenn ich grad fest schlafe oder so."
"Ich bin doch nicht der Typ, der Leute umbringt!"
"Nicht?"
"Ich glaube nicht."
